An die Gemeinde Krumpendorf

 

 

 

An die 

Gemeinde Krumpendorf a.Ws.

Hauptstraße 145

9201 Krumpendorf a.Ws.

 

 

BETRIFFT: 

  1. Äußerung wegen Gemeindevolksbegehren und ÖEK
  2. Äußerung zum Bauvorhaben Hauptstraße 150 (Zahl: 401/16/2018-T-H-BA 77)
  3. Einwendungen gegen Teilbebauungsplan „Bad-Stich-Straße Ost“ (Kundmachung Zahl: 77/12/01-T-T vom 18.6.2020)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Verein Lebenswertes Krumpendorf legt die im Betreff genannten Anliegen dar und begründet diese wie folgt:

  1. Äusserung wegen Gemeindevolksbegehren und ÖEK

Unser Verein hat bekanntlich das Gemeindevolksbegehrens von April/Mai 2019 massiv unterstützt. Seine Funktionäre und Mitglieder sind die treibenden Kräfte dahinter. 

Zur Erinnerung:

Wir konnten der Bürgermeisterin 725 Unterschriften überreichen. Davon wurden 721 als ordnungsgemäß abgegebene Unterschriften anerkannt und nach Kontrolle dieser Unterschriften wurden 209 (30%) als ungültig abgelehnt. 512 gültige Unterschriften machen dieses Gemeindevolksbegehren sehr erfolgreich. Das ist ein Vielfaches der erforderlichen Mindestzahl für die Behandlung im Gemeinderat. 

Wir meinten, dass die Anliegen einer so machtvollen Zahl an Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr ignoriert werden kann, mussten aber leider eine andere Erfahrung machen, dass die zentralen Anliegen des Gemeindevolksbegehrens bisher keine entsprechende Behandlung erfahren haben. Diese Anliegen sind:

  • Bewahrung des Ort- und Landschaftsbildes und der Grünflächen vor dichter, großflächiger Verbauung

 

  • Vermeidung von Immobilienprojekten ohne Mehrwert für Krumpendorf (z.B. Zweitwohnsitzen)
  • Erhalt der gewachsenen Siedlungsstrukturen, des Grüngürtels und des ohnehin schon sehr eingeschränkten freien Blicks auf den See

Als wesentliche Umsetzungsmaßnahme verlangt das Gemeindevolksbegehren eine Änderung des allgemeinen Bebauungsplans. Gefordert wird eine generelle Herabsetzung der Geschossflächenzahl (GFZ), wobei für die meisten Bauflächen eine Herabsetzung der GFZ auf 0,4 oder darunter verlangt wird. Das macht generell die Verbauung für Bauträger uninteressant. Weiters fordern wir unter anderem besondere Orts- und Landschaftsbild wahrende Vorgaben in exponierten Lagen (Seenähe, Hanglagen und Hauptstraße).

Der Verein und die Initiatoren des Gemeindevolksbegehrens sind sehr über dessen stiefmütterliche Behandlung enttäuscht. Die Gemeinde hat lediglich einmal Vertreter des Gemeindevolksbegehrens zu einer Ausschusssitzung geladen. Obwohl wir dort den Wunsch der Bevölkerung nach konkreter und baldiger Umsetzung betont haben, ist bisher nichts geschehen. Im Gegenteil:

  • Das Gemeindevolksbegehren ist bisher nicht im Gemeinderat behandelt worden, obwohl es die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. § 56 K-Allgemeine Gemeindeordnung sieht  vor, dass ein Gemeindevolksbegehren, das die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, als Antrag von der Gemeindewahlbehörde im Wege der Bürgermeisterin dem zuständigen Organ, das ist hier der Gemeinderat zu übermitteln ist. Das Gemeindevolksbegehren ist schließlich unmissverständlich als Antrag für den Gemeinderat formuliert.
  • Das ist befremdlich, zumal dem Vernehmen nach einige Immobilienprojekte im Bereich des allgemeinen Bebauungsplans geplant sein sollen, welche die bisherigen unverhältnismäßig hohen GFZ ausnützen. Es werden damit in Form von Betonblöcken inmitten von Gartengegenden mit großteils weit geringerer kleinteiliger Bebauungsdichte Fakten geschaffen, welche die Ziele des Gemeindevolksbegehrens unterlaufen.
  • Völlig unverständlich ist, dass nach dem Gemeindevolksbegehren ein Teilbebauungsplan für den exponierten Bereich Lannerweg (Hügellage) für einen ursprünglich im Bereich des allgemeinen Bebauungsplans gelegenes Gebiet beschlossen wurde, der eine GFZ von 0,5 vorsieht statt der geforderten 0,4. Die Gemeinde negiert damit den im Gemeindevolksbegehren unmissverständlich geäußerten Wunsch der Bevölkerung.
  • Dem Vernehmen will die Gemeinde zuerst das neue örtliche Entwicklungskonzept (ÖEK) erstellen und danach erst die Anliegen des Gemeindevolksbegehrens aufgreifen. Das ist absurd, weil bis dahin Fakten geschaffen werden können. Die Umsetzung des neuens ÖEK und des Gemeindevolksbegehrens muss vielmehr parallel und vor allem rasch erfolgen. Das neue ÖEK muss selbstverständlich den im Gemeindevolksbegehren zum Ausdruck gebrachten Willen der Bevölkerung zur Wahrung des dörflichen Charakters, zur Verhinderung einer verdichteten Bebauung und zum Bekenntnis des Erhalts des Orts- und Landschaftsbildes berücksichtigen.

Wir hoffen, dass die zuständigen Gemeindeverantwortlich endlich Taten setzten. Wir bedanken uns an dieser Stelle für unsere unermüdlichen Unterstützerinnen innerhalb der Gemeindegremien, allen voran Frau Irmgard Neuner-Forelli und Frau Dr. Maureen Devine von den Grünen, welche für die um Umsetzung unserer im Wege der direkten Demokratie geäußerten Anliegen unermüdlich kämpfen, aber leider mit einer unglaublichen Blockadehaltung konfrontiert sind.

  1. ÄuSSerung zum Bauvorhaben HauptstraSSe 150 (Zahl: 401/16/2018-T-H-BA 77)

Der Verein ist mit Anrainern und deren Rechtsvertretern in Kontakt und unterstützt deren Einwendungen aus den folgenden Gründen:

  • Das Projekt ist ein Musterbeispiel dafür, wie Bauträger unter voller (Über?-)Ausnutzung der möglichen Bebauungsdichte und völliger Ignoranz des gewachsenen Ortsbildes vorgehen. Ganz augenscheinlich steht hier eine möglichst hohe Rendite im Vordergrund.

Das mag aus Sicht eines Bauträgers verständlich sein, aber gerade deswegen muss die Gemeinde dann umso stärker im Sinn der von ihr vertretenen Bürgerinnen und Bürger gegensteuern. 

  • Die vorliegenden Pläne verstoßen insbesondere gegen den Ortsbildschutz, weil die das Ortsbild in diesem Bereich prägenden historischen Elemente – die Reste des alten Schlossparks, bestehend v.a. aus schmiedeeisernem barockem Torbogen, alten Brunnen und Kapitel des Bestandsgebäudes –  abgerissen werden und einem Blockbau ohne aus unserer Sicht besondere architektonische Akzente samt einer Tiefgarageneinfahrt zur Hauptstraße hin weichen sollen. 

Damit wird Identität vernichtet und werden Bausünden der Vergangenheit perpetuiert statt saniert. 

  • Die Gemeinde ist unseres Erachtens verpflichtet, entsprechende Auflagen zu machen, insbesondere Gestaltungsvorgaben zur Erhaltung der historischen Elemente. Das ergibt sich eindeutig aus den Schutzaufgaben der Gemeinde gemäß § 1 Kärntner Ortsbildpflegegesetz (K-OBG): Die Gemeinde muss danach insbesondere bei Aufgaben nach dem K-OBG und nach der Kärntner Bauordnung 1996 (K-BO 1996), für die Pflege des erhaltenswerten Ortsbildes sorgen, es unter Bedachtnahme auf die technische und ökonomische Entwicklung sowie auf die örtliche Bautradition bewahren und die Schaffung eines erhaltenswerten Ortsbildes zu sorgen. 

(Wie etwa ein barockes schmiedeeisernes Tor mit einer Tiefgarageneinfahrt kombiniert werden könnte, sieht man – zwar auch nicht perfekt umgesetzt, aber immerhin –, zum Beispiel bei der Garage beim Palais Schwarzenberg in Wien.)

  • Der Vollständigkeit halber sei außerdem erwähnt, dass der anwendbare Teilbebauungsplan „Zentrum Krumpendorf“ vorsieht, dass auf der Ostseite des Pirkerbaches das Ausmaß der Baukörper mit 16mx16m als Gestaltungsvorgabe festgelegt wird. Das folgt aus dem unmissverständlichen Wortlaut des § 10 Abs 1 Unterabs. 2 des Teilbebauungsplans. 

Da aus den Plänen hervorgeht, dass jedenfalls die Längsseite des Projekts 16m überschreitet, das Baugrundstück aber östlich des Pirkerbaches gelegen ist, widerspricht das Projekt den Gestaltungsvorgaben. Jedenfalls ist der Teilbebauungsplan in diesem Punkt nicht eindeutig. Neben den Eingriff ins Ortsbild wird dadurch gegen subjektiv-öffentliche Rechte der Anrainer verstoßen, u.a. weil diese Gestaltungsvorgabe analog den Vorgaben zur Bebauungsweise und den Mindestabständen zu sehen ist, die dem Schutz der Anrainer dienen.

Wir gehen davon aus, dass die zuständigen Personen bei der Gemeinde die gesetzlichen Vorgaben beachten und  daher das Projekt weiterhin einer genauen Überprüfung unterziehen sowie jedenfalls nur unter entsprechenden Auflagen bewilligen werden. Wir begrüßen in diesem Lichte die Vertagung der für 9.7. anberaumten Bauverhandlung, weil offensichtlich hier noch näherer Prüfungsbedarf besteht

  1. Einwendungen gegen Teilbebauungsplan „Bad-Stich-Straße Ost“ (Kundmachung Zahl: 77/12/01-T-T vom 18.6.2020)

Wir nehmen außerdem Stellung zum Entwurf des neuen Teilbebauungsplans Bad Stichstraße Ost und erstatten dazu nachstehende 

Einwendungen:

Der Verein hat berechtigte Interessen, weil er als größter Verein Krumpendorfs für die Wahrung des Ortsbildes eintritt und die Anliegen des oben gennannte Gemeindevolksbegehrens vertritt. Der Teilbebauungsplan betrifft beides, insbesondere das Ziel der Herabsetzung der GFZ.

Die Einwendungen werden dementsprechend darauf gestützt, dass der Entwurf folgendes vorsieht:

  • Im südwestlichen Baufenster soll die GFZ von 0,3 auf 0,4 erhöht werden. Begründet wird das lapidar damit, dass hier eine Angleichung mit den übrigen Baufeldern erfolgen soll. Warum diese Angleichung erforderlich ist und warum für nur wenige Bauparzellen eine Änderung dieses TBP erforderlich ist, ist nicht ersichtlich. Sie wird inhaltlich nicht begründet, sondern nur gesagt, dass dies „vertretbar“ und aus den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen der Bewohner erforderlich sein soll (als mit einer bloßen Leerfloskel). Wer genau mit den Bewohnern gemeint ist, wird offengelassen. 

Der Erhöhung der GFZ im genannten Bereich widerspricht auf jeden Fall dem im Gemeindevolksbegehren ausgedrückten eindeutigen Willen der Bevölkerung einer allgemeinen Reduktion der GFZ. Stattdessen wird eine punktuelle Erhöhung vorgenommen. Den Erfordernissen des § 24 K-Gemeindeplanungsgesetzes ist damit nicht genüge getan. 

  • Der neue § 8 des TBP soll zusätzlich zur bisher festgelegten Dachform „Satteldach“ nun auch die Form des „Walmdaches“ ermöglichen. Wie das mit den Erfordernissen eines möglichst einheitlichen Ortsbildes in Einklang zu bringen ist, wird nicht näher begründet.

Wir beantragen die Vorlage an die Bezirkshauptmannschaft. 

***

Wir stehen für nähere Erörterungen gern zur Verfügung. 

Mit besten Grüßen

 

Verein Lebenswertes Krumpendorf am Wörthersee

Historie des Schlosses und Schlossparks Krumpendorf

Quellen: Text und Fotos siehe krumpendorfchronik.at 

1735 – 1740

Ursula Edle von Schluga lässt Schloss Krumpendorf erbauen

1797

Verkauf an die Familie Lanner

1812

Übernahme des Gutes durch Thaddäus von Lanner und damit Rettung 

vor der Zwangsversteigerung

1828

Errichtung des Schlossgartens

1829

Errichtung des Stallgebäudes

1830

Kaiser Franz I. und seine Gemahlin Karoline besuchen die Lannerschen 

Musterbetriebe

1850

Lanner wird erster Bürgermeister von Krumpendorf  (Lannerweg!)

  

1797 wurde der Besitz an die Familie von Lanner verkauft. Als das Gut vor der Zwangsversteigerung stand, übergab der Vater den Besitz an seinen Sohn Thaddäus, der den Bankrott abwendete, da er äußerst erfolgreich wirtschaftete und binnen weniger Jahre die bestehenden Verpflichtungen zurückzahlen konnte. 

 

Seine Musterbetriebe waren sehr erfolgreich und weit über die Grenzen Kärntens bekannt, so dass selbst Kaiser Franz I. mit seiner Gemahlin Karoline 

es sich nicht nehmen ließ, diese zu besichtigen. Dieser Besuch war der Anlass, die damals mit Pappeln gesäumte Kaiserallee 

anlegen zu lassen.

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Lanner ließ auch den Schlossgarten anlegen. Dieser befindet sich nördlich durch die Hauptstraße vom Schloss getrennt. Das Gartenhaus, das von der Straße gut zu sehen ist, ziert ein Fresko der römischen Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin Pomona. Weiters befinden sich dort ein römischer Schalenbrunnen sowie rechts und links der Steintreppe zwei römerzeitliche Grabinschriften aus Virunum. Die Inschriften lauten: Für Sillvia Vindilla, Silvius Vindillus und die Tochter Secunda sowie für Masculus, Sohn des Saturninus.   

               

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Römischer Grabstein im Schlossgarten                  Fresco der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Pomona

 

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Detail Schlossgartentor Krumpendorf  (1828) 

Wird Krumpendorfs Schlosspark „zubetoniert“?

Vor fast 200 Jahren, im Jahre 1828, legte Thaddäus von Lanner nördlich der Hauptstraße einen wunderschönen Schlossgarten mit einer barocken Brunnenanlage an. Ein „Juwel“ mitten in Krumpendorf! Sogar Kaiser Franz I. mit Gattin Karoline besuchten im Jahre 1830 die Lanner`schen Musterbetriebe, Schloss und Schlossgarten. Dem Kaiser zu Ehren wurde die „Kaiserallee“ angelegt.

Aus heutiger Sicht: dieser Schlosspark hätte sich als ideales und wunderbares Ortszentrum angeboten, hätte Krumpendorf „Flair“ gegeben und markant gemacht: barocke Brunnenanlage, Römersteine, Pomona-Fresco, ein kleines „Rosarium“ usw.