Kleine Zeitung vom 27.4.2018

 

Beschluss der Gemeinde regt auf

Gemeinderat Krumpendorf beschloss Teilbebauungsplan für Ortszentrum.

Bauträger sehen nun ihre Projekte in Gefahr und drohen mit Klage.

Von Lisa Holzfeind

Verhindert Gemeinde Mauerfall?“ In grünen und gelben Lettern prangt dieser Schriftzug von der Schlossmauer in Krumpendorf. Geschichtlich an den Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 angelehnt, soll das Graffiti-Kunstwerk provozieren. Aufmalen lassen hat es der Riedergarten-Immobilien Geschäftsführer Herbert Waldner. Als Protest gegen einen Teilbebauungsplan der Gemeinde, der schlussendlich Mittwochabend bei der Gemeinderatssitzung mehrheitlich mit drei Gegenstimmen (FPÖ und Neos) beschlossen wurde. Für Bürgermeisterin Hilde Gaggl (ÖVP) ist der Teilbebauungsplan ein „fairer Kompromiss“, der die seit Jahren von Bürgern geforderte Entwicklung des Zentrums in Krumpendorf samt eigenem Dorfplatz weiter vorantreiben soll.

Rund 200.000 Euro an Steuergeld sind seit 2011 in die Planung dieses Projektes geflossen, es gab Bürgerbeteiligungen und einen Architektenwettbewerb. Laut Vizebürgermeister Gernot Bürger (ÖVP) soll der Teilbebauungsplan aber auch eines: „Den Wildwuchs an zubetonierten Flächen eindämmen und den Dorfcharakter erhalten.“

Kritik gibt es teils vonseiten der Grundstücksbesitzer. Sie stoßen sich vor allem an den laut ihnen „zu niedrig festgesetzten“ Geschoßanzahlen. Einer dieser Grundstücksbesitzer ist eben Riedergarten Immobilienchef Herbert Waldner. Er plant im Bereich des Schlosses Krumpendorf ein 35-Millionen-Projekt samt Wohnungen sowie die Öffnung des 300 Jahre alten Schlosses für die Öffentlichkeit. „Durch den Teilbebauungsplan haben wir einen Wertverlust von aktuell 1,5 Millionen Euro“, sagt Waldner. Er will nun eine Klage einbringen. Diese behalten sich auch die Eigentümer von sieben Grundstücken im Bereich des Penny-Marktes vor. „Wir hätten für unsere Häuserfront ein Projekt mit Tiefgarage, einem Café, Geschäfts-, Wohn- und Büroflächen sowie einem Ortsplatz geplant und wollten es an einen Investor verkaufen. Dieser ist jetzt abgesprungen“, sagt Daniela Stastny, eine der Eigentümerinnen. Drei Mal musste der Teilbebauungsplan im Vorfeld wegen Einsprüche abgeändert werden. Laut Gaggl habe man alle Einsprüche rechtlich prüfen lassen. Zukunftsträchtige Projekte seien nach wie vor möglich. Gemeinderat Markus Steindl (FPÖ) stimmte gegen den Teilbebauungsplan. „Wegen fehlender Transparenz, rechtlicher Unsicherheit und weil vorher auch das Ortsentwicklungskonzept nicht erneuert wurde“, sagt er. Laut Franz Bürger (Neos) sei der neue Plan entbehrlich: „Weil er noch auf der Idee des früheren Bürgermeisters Peter Nemec aufbaut, der einst den Plan verfolgte, das Zentrum in Krumpendorf anzukaufen. Das scheiterte aber am Geld.“

 

Visualisierung des geplanten Projektes von Riedergarten rund um das Schloss (oben); auf dem Platz vor dem Pennymarkt wäre ein Ortsplatz angedacht gewesen

TRAUSSNIG (3), HOLZFEIND, KK/RIEDERGARTEN

Durch den beschlossenen Teilbebauungsplan haben wir einen Wertverlust von aktuell 1,5 Millionen Euro.

Herbert Waldner

Der Teilbebauungsplan ist ein fairer Kompromiss. Zukunftsträchtige Projekte sind nach wie vor möglich.

Hilde Gaggl

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